Zauberpilze bestimmen und warum man so leicht danebenliegt
Acht Funde, acht Fundnotizen, je vier Antworten. Die Bilder sind Illustrationen und keine Bestimmungsfotos. Genau darum geht es: Mit Bild und Stichworten liegt man schnell daneben.
Runde 1 von 8
0 richtig
Illustration, kein Bestimmungsfoto
Runde 1 von 8
Welcher Pilz ist das?
Fundort
Schafweide, kurzes Gras, Oktober
Hut
0,5 bis 1,5 cm, spitz mit kleiner Papille
Stiel
sehr dünn, elastisch, kein Ring
Sporenpulver
dunkel purpurbraun
AHeu-Düngerling
BSpitzkegeliger Kahlkopf
CErdblättriger Risspilz
DGezonter Düngerling
Auflösung zeigen
psilocybinhaltig
Spitzkegeliger Kahlkopf Psilocybe semilanceata
Woran man ihn erkennt. Spitzer Hut mit Papille, kein Ring, dunkel purpurbraunes Sporenpulver und der Standort im Weidegras passen zum Spitzkegeligen Kahlkopf. Auf denselben Wiesen wachsen aber Düngerlinge und andere kleine braune Arten, die sich oft erst mit Lupe und Mikroskop sicher trennen lassen.
Warum das zählt. Enthält Psilocybin und fällt in Deutschland, Österreich und der Schweiz unter das Betäubungsmittelrecht. Wer ihn pflückt, besitzt in Deutschland bereits ein Betäubungsmittel.
Woran man ihn erkennt. Der Heu-Düngerling ist der häufigste kleine braune Pilz auf Rasenflächen und erscheint oft kurz nach dem Mähen. Die gesprenkelten Lamellen und der stumpfe Hut ohne Papille unterscheiden ihn vom Spitzkegeligen Kahlkopf.
Warum das zählt. Psilocybin wurde nur in einzelnen Funden aus Nordamerika nachgewiesen, seine Wirkung ist umstritten. Er zeigt vor allem, wie viele kleine braune Pilze auf einem gewöhnlichen Rasen stehen.
Woran man ihn erkennt. Ringzone, silbrig längsfaseriger Stiel und rostbraunes Sporenpulver sprechen für den Gift-Häubling. Ein Kahlkopf hätte dunkel purpurbraunes Sporenpulver.
Warum das zählt. Enthält Amatoxine, dieselbe Giftgruppe wie im Grünen Knollenblätterpilz. Die ersten Beschwerden kommen erst nach Stunden, dann ist die Leber bereits angegriffen. Er wächst auf Holz und Mulch in Parks und Beeten und kann direkt neben dem Blauenden Kahlkopf stehen.
Woran man ihn erkennt. Der wellige Hutrand, das dunkle Sporenpulver und der Standort auf Holzhäcksel passen zum Blauenden Kahlkopf. Die blaue Verfärbung allein hätte nichts bewiesen.
Warum das zählt. Enthält Psilocybin und ist verboten. Er kann direkt neben dem Gift-Häubling wachsen. Ohne Sporenpulver sehen beide einander ähnlich, und ein Büschel kann aus beiden Arten bestehen.
Woran man ihn erkennt. Der bewegliche Ring am dünnen Stiel und das rostbraune Sporenpulver führen zu Pholiotina rugosa. Kahlköpfe tragen keinen solchen Ring.
Warum das zählt. Enthält Alpha-Amanitin, ein Amatoxin. Der Pilz ist klein und unscheinbar und wächst in Beeten, Kompost und Holzhäcksel, mitten in Gärten und Parks.
Woran man ihn erkennt. Der weiße, seidig-faserige Hut mit Buckel, das ockerbraune Sporenpulver und der Standort am Weg unter Bäumen passen zum Erdblättrigen Risspilz.
Warum das zählt. Enthält Muskarin. Nach 15 bis 30 Minuten kommen starker Speichelfluss, Schwitzen und Tränenfluss. Die meisten Risspilze enthalten Muskarin, einige wenige dagegen Psilocybin, und die Verwechslungsgefahr zwischen ihnen gilt als sehr hoch.
Woran man ihn erkennt. Das dunkle Band am Hutrand, die gesprenkelten Lamellen und das schwarze Sporenpulver passen zum Gezonten Düngerling. Der Heu-Düngerling ist ähnlich, sein Sporenpulver aber dunkelbraun.
Warum das zählt. Enthält Psilocybin. Eine Schweizer Studie fand ihn neben dem Spitzkegeligen Kahlkopf als einzige psilocybinhaltige Art, die in Mittel- und Nordeuropa in größeren Mengen vorkommt. In der Schweiz ist die Gattung Panaeolus ausdrücklich verboten.
Woran man ihn erkennt. Der spitze Buckel, die gelben Gürtel am Stiel, das rostbraune Sporenpulver und der Standort im Moos unter Fichten passen zum Spitzgebuckelten Raukopf.
Warum das zählt. Orellanin schädigt die Nieren. Beschwerden können erst Tage bis etwa drei Wochen später beginnen. 1996 beschrieben Ärzte aus Wien den Fall einer Person, die auf einen Rausch durch Zauberpilze hoffte, einen Raukopf aß und ein dauerhaftes Nierenversagen erlitt.
Die Runden hatten Hinweise, die man in der Natur oft nicht hat: Sporenpulver, Standort, ein sauberes Bild. Fachleute nehmen sich für jeden kleinen braunen Pilz Lupe und Mikroskop. Wer einen wilden Pilz gegessen hat, ruft den Giftnotruf an.
In Deutschland, Österreich und der Schweiz wachsen nur wenige Pilze, die Psilocybin in nennenswerter Menge bilden. Eine Schweizer Untersuchung von über hundert europäischen Arten fand nur zwei, die in Mittel- und Nordeuropa in größeren Mengen vorkommen: den Spitzkegeligen Kahlkopf und den Gezonten Düngerling. Dazu kommen der Blauende Kahlkopf auf Holzhäcksel und einige seltenere Arten.
Das Problem ist das, was daneben wächst. Auf denselben Wiesen, Beeten und Mulchflächen stehen kleine braune Pilze, die Amatoxine, Muskarin oder Orellanin enthalten. Der Gift-Häubling wächst auf Holz und Rindenmulch, kann direkt neben dem Blauenden Kahlkopf stehen und schädigt die Leber. Ein Raukopf aus dem Fichtenwald hat 1996 in Österreich einen Menschen, der Zauberpilze suchte, dauerhaft die Nierenfunktion gekostet.
Was der Trainer zeigt
Die acht Runden oben beruhen auf echten Merkmalen aus Fachquellen: Fundort, Hut, Stiel und Farbe des Sporenpulvers. Wer sie alle richtig hat, kann trotzdem keinen wilden Pilz sicher bestimmen. Die Bilder sind Illustrationen, die Hinweise sind vereinfacht, und in der Natur fehlt oft genau das Merkmal, das den Unterschied macht. Selbst Fachleute brauchen dafür oft Mikroskop oder DNA. Eine Studie von 2022 hat 94 Belege aus wissenschaftlichen Sammlungen per DNA nachbestimmt und fand viele Fehlbestimmungen, teils sogar auf Gattungsebene.
Warum die Blaufärbung und das Sporenpulver allein nichts beweisen, steht unter Sicher bestimmen. Was zu tun ist, wenn jemand einen unbekannten Pilz gegessen hat, steht unter Notfall: Giftnotruf anrufen, Reste aufheben, nicht abwarten.
Rechtslage in drei Sätzen
In Deutschland und der Schweiz sind Pflücken, Besitz und Anbau psilocybinhaltiger Pilze verboten. In Österreich stellt das Suchtmittelgesetz die Weitergabe und den Anbau dieser Pilze ausdrücklich unter Strafe. Die Einzelheiten mit Gesetzesstellen stehen unter Rechtslage; legal im Handel sind frische Trüffel nur in den Niederlanden.
Vergleich
Doppelgänger-Matrix: giftig oder psilocybinhaltig
Vereinfachte Übersicht nach den Quellen auf den Artenseiten. Sie zeigt, wie sehr sich die Arten in Einzelmerkmalen überschneiden, und ist keine Bestimmungshilfe.
Alle Stellen sind rund um die Uhr erreichbar. Quellen auf der Notfallseite.
Nur für einen Aufenthalt in den Niederlanden
Nur in den Niederlanden legal: Trüffel
Wilde Zauberpilze sind auch in den Niederlanden verboten. Frische Trüffel dagegen dürfen dort laut Hoge Raad frei gezüchtet und verkauft werden. Sie werden unter Sortennamen in Stärken von mild bis stark angeboten. Nach Deutschland, Österreich oder in die Schweiz mitnehmen darf man sie nicht.